“Parsifal”, die Oper mit den Dehnungsfugen
18. April 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Alles Theater, Parsifal, Z bis ADer „Parsifal“
von Richard Wagner musste in den letzten Jahren einiges aushalten, nicht nur in Bayreuth.
Vier Jahre lang – von 2003 bis 2007 – agierte er in der Inszenierung von Christoph Schlingensief als Zuschauerschreck der Bayreuther Festspiele. Weil diese Oper freiwillig kaum jemand mehr sehen wollte, kamen einige Besucher schon nach fünf Jahren in den Genuss von Bayreuth-Karten, während die normale Wartezeit acht bis zehn Jahre beträgt. Nach vier Jahren und immer häufigeren Diese-Oper-bitte-nicht-Wünschen wurde der „Schlingensief-Parsifal“ abgesetzt.
Schade, findet Gesine Bodenteich, die die jährlichen Veränderungen im Regiekonzept verfolgte. Noch ein oder zwei Spielzeiten, und es wäre eine Oper draus geworden!
2008 kam eine neue Parsifal-Inszenierung heraus unter der Regie von Stefan Herheim, dem Meister des Edelkitsches. Diese opulente Historien- und Kostümoper wurde in den Generalproben 2008 und 2009 mit stehenden Ovationen bedacht. Das heißt, es applaudierten hauptsächlich die Vertreter der Richard-Wagner-Gesellschaft in den ersten Reihen.
Hervorragend war die musikalische Leistung der Sänger und des Bayreuther Festspielorchesters unter dem emotionalen Dirigat von Daniele Gatti. Der Bericht zu dieser Oper voller Symbolgehalt – mit Wiedererkennungswert für Historiker und Geschichtsliebhaber - siehe: Parsifals Zeitenfahrt von der Villa Wahnfried zum Plenarsaal des Deutschen Bundestages
Im Frühjahr 2010 bringt die Stuttgarter Staatsoper eine Neuinszenierung des „Parsifal“ heraus. Regie führt Calixto Bieito, bekennendes Missbrauchsopfer, fantasievoller Gewaltverherrlicher und praktizierender Frauenfeind. In der „Jenůfa“ lässt er die Frauen auf der Bühne von allen möglichen Männern von oben bis unten begrapschen. Im „Holländer“ wird die Senta gleich in der Ouvertüre brutal mit Faustschlägen niedergestreckt.
Zu der Oper „Parsifal“ gibt die Staatsoper Stuttgart die Warnung aus:
„Wir weisen unser Publikum darauf hin, dass es in dieser Inszenierung Szenen expliziter Gewalt gibt und bitten dies beim Besuch mit Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen.“
Mit anderen Worten: „Wer sich so etwas antun möchte und dafür auch noch bezahlt, ist selber schuld!“
Recht haben sie, denn warum sollte sich ein Mensch ohne abnorme Neigungen so etwas freiwillig anschauen? Wir kennen keinen vernünftigen Grund!
Eine neue Variante bringt Stefan Herheim in seinem dritten Bayreuth-Jahr hinein:
Männliche Wechseljahres-Oper
Der Parsifal ist in diesem Jahr zu einer Männeroper geworden, besser gesagt, für Männer in den Wechseljahren. Sobald bestimmte Herren in die Jahre kommen, kommt ihre Fantasie auf Hochtouren. Aus bisher vernünftigen Zeitgenossen werden nervige Verbal-Erotiker.
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- Siehe → Parsifal in Bayreuth 2010 – was ist neu? Geblieben ist das gewohnt hohe musikalische Niveau des Festspiel-Orchesters unter der Leitung von Daniele Gatti, des Chores und der Solisten. Susan Maclean bringt als neue Kundry…
- Siehe - Parsifal und seine (auf)reizenden Blumenmädchen: Sie sehen aus wie Revuegirls der wilden Zwanziger und beginnenden Dreißiger. Bikinimädchen mit den typischen ausgestellten Höschen – jede in einer anderen Farbe bunten Glitzerstoffen – liegen auf dem Brunnenboden und heben ihre Beine wie beim Wasserballett.
- Siehe-> Parsifal im Matrosen-Anzügle – Klingsor in Strapsen – Kundry im Umziehstress: Unschwer ist im ersten Akt das Bühnenbild von Heike Scheele als Villa Wahnfried zu erkennen, vom Park aus gesehen. Wohl jeder Festspielbesucher kennt das Wohnhaus (heute Museum) des Komponisten Richard Wagner…
- Siehe → Parsifals Zeitenfahrt von der Villa Wahnfried zum Plenarsaal des Deutschen Bundestages: Eine opulente Parsifal-Inszenierung, in Szene gesetzt als Historien- und Kostümoper voller Symbolgehalt – fast schon zu viel für eine einzige Oper…
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