Filmtipp: Séraphine – Entdeckung einer Malerin

26. Mai 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Kino-Film, Séraphine, Z bis A

Sehenswerter Film von Martin Provost über einen  Sammler der naiven Malerei und die verkannte Künstlerin Séraphine de Senlis

Séraphine schließt sich ein, um alles in Ruhe vorbereiten zu können.
Sie zerschneidet und kocht die gesammelten Pflanzen, fügt das Blut aus der Metzgerei hinzu für ihr unnachahmliches Rot, ebenso das in der Kirche geklaute Wachs. Mit dem Stößel zerreibt sie die Mischung in einem Mörser. So stellt sie ihre Farben her, mit denen sie umsetzt, was ihre innere Stimme ihr befiehlt. Meist mit dem Pinsel, aber auch mit den Fingern, malt sie hauptsächlich Blumen. Sie malt nachts, da sie tagsüber für ihren Lebensunterhalt arbeiten muss.

Wäscherinnen am Fluss

Am Waschtag reinigt sie die Wäsche im Fluss, zusammen mit den anderen Zugehfrauen. Stimmungsvoll entfalten sich die Bilder um den Fluss, in den die Wäscherinnen hinein waten, um die weißen Leintücher zu spülen, und in dem sie zu zweit die großen Stücke auswringen.
Auf einer Schubkarre fährt sie die sauberen Tücher in die verschiedenen Häuser, um dafür ihren Lohn zu erhalten, den man ihr widerwillig gibt. Unterwegs bekommt sie ab und an etwas zum Essen, das sie mürrisch und fast gleichmütig annimmt, als bräuchte sie es gar nicht.

Das Leben auf dem Land

Mit seiner Schwester Anne-Marie (Anne Bennent) zieht der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) in das Städtchen Senlis, um in Ruhe schreiben zu können. Hier entdeckt er zufällig Séraphines (Yolande Moreau)  Bilder. Die kräftigen Farben und der eigenwillige Strich begeistern ihn. Erst meint Séraphine, er wolle sich über sie lustig machen, genau wie die anderen Leute in ihrer Umgebung. Doch dann genießt sie seine Bewunderung, bis der erste Weltkrieg Uhde zur Flucht zwingt.
Er entdeckt sie 1927 an ihrem alten Platz, total verarmt und kurz vor dem Verhungern. Uhde versorgt sie mit Lebensmitteln und Malutensilien; außerdem stellt er ihre Bilder aus und verkauft auch einige davon.

Séraphines Wahnvorstellungen

Séraphine hat keine Beziehung zum Geld, möchte aber jetzt so leben, wie sie es bei ihren Herrschaften sah, für die sie früher putzte. Der plötzliche Reichtum steigt Séraphine zu Kopf. Sie mietet eine ganze Etage, kauft sich neue Möbel und neuen Hausrat, lässt sich neue Kleider schneidern. Durch die Rezession jedoch sind die Käufer für zeitgenössische Kunst ausgeblieben. Séraphine, die sich nicht um Wirtschaft und Politik kümmert, versteht das nicht. Sie malt wie eine Besessene – steigert sich in Wahnvorstellungen hinein. Als sie ihren Hausstand im ganzen Ort verteilt, wird sie von der Polizei ins Irrenhaus gebracht. Für sie ist die Zeit des Malens vorbei.

Drei exzellente Schauspieler prägen diesen Film

Yolande Moreau verkörpert Séraphine perfekt von Kopf bis zu den stämmigen Füßen – allein schon ihr Gang, der den grobschlächtigen Trampel zeigt, den sie für ihre Mitmenschen darstellt. Glücklich zeigt sie sich in der Natur; konzentriert malt sie ihre Bilder; stoisch schrubbt putzt sie die Böden und wäscht die Wäsche.
Ulrich Tukur verkörpert Wilhelm Uhde, den schöngeistigen Kunstsammler und Mäzen. Mühevoll kann er die Tränen zurückhalten, als er Séraphine in der Zwangsjacke erlebt. Sie erkennt ihn nicht. Stark ist auch, wie er Séraphine mit Entschiedenheit erklärt, dass er NIE eine Frau heiraten wird.
Anne Bennent als Uhdes Schwester Anne Marie verkörpert eine Frau zwischen den Fronten. Einerseits gibt sie sich modern, steuert das Automobil, hat ihre eigene Meinung zu den Bildern. Andererseits klebt sie an ihrer gesellschaftlichen Rolle. Sie führt den Haushalt ihres homosexuellen Bruders und bleibt vielleicht auch seinetwegen ledig. Sie gibt sich mit der Rolle der Beobachterin zufrieden, obwohl sie intelligent genug wäre, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Fazit: Unbedingt sehenswert!

Durch sparsame Mimik und Gestik gestalten alle drei Schauspieler die Charaktere, die hinter ihnen stecken. Endlich wieder einmal ein Film, der ohne Actionszenen und Knalleffekte auskommt.

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Siehe: …durch Zufall entdeckt der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde die Künstlerin, die ihr Leben tagsüber als Putzfrau fristet und nachts malt. Durch ihn bekommt sie ihre ersten Ausstellungen…

Ein Film von Martin Provost

Besetzung:
Séraphine Yolande Moreau
Wilhelm Uhde Ulrich Tukur
Anne Marie Anne Bennent
Madame Duphot Geneviève Mnich
Helmut Nico Rogner
Minouche Adélaïde Leroux
Duval Serge Larivière
Mère Supérieure Françoise Lebrun

Regisseur Martin Provost
Produzenten Miléna Poylo, Gilles Sacuto
Drehbuch Martin Provost, Marc Abdelnour
Kamera Laurent Brunet (AFC)
Ton Philippe Van den Driessche
Ausstattung Thierry François
Kostüme Madeline Fontaine
Schnitt Ludo Troch
Musik Michael Galasso
Casting Brigitte Moidon (ARDA)
1.Regieassistenz Raphaëlle Piani
Skript Christine Catonné Raffa
Tonschnitt Ingrid Ralet
Tonmischung Emmanuel Croset
Aufnahmeleitung Nathalie Duran, Julien Bouley
Produktion TS Productions

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2 Kommentare auf "Filmtipp: Séraphine – Entdeckung einer Malerin"

  1. Yolandine sagt:

    Meine Favortin war eindeutig Yolande Moreau, die Darstellerin der Serafine! Ohne sie wäre der film gar nichts, egal, wie viele schwule kunstsammler sich darin getummelt hätten!

  2. tukura sagt:

    ich bewundere Ulrich Tukur. Er kann jede Rolle verkörpern, sogar einen schwulen Kunstsammler.

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