Lucia di Lammermoor: Schnörkellose Konzentration auf das Wesentliche

11. Oktober 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühnenbild und Kostüme, Lucia di Lammermoor, Z bis A

Lucia di Lammermoor” Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti

Kostüme und Bühnenbild von Olga Motta.

Schwarz-WeissKostüme

Weiss strahlt das Empire-Kleid der Lucia (Ana Durlovski), zum Ende hin mit Blut befleckt. So rot wie die Rosen, die an ihrem Hochzeitstag gestreut werden, leuchtet der überdimensionale Schal, ein x-meterlanger Seidenläufer, den Lucia von Anfang bis zum Ende hinter sich herzieht. Dieses lange, blutrote Seidenband begleitet sie zu ihrem Date mit Edgardo (Dmytro Popov), symbolisiert ihre Liebe. Bei der Hochzeit mit Arturo (Joel Prieto) deutet er eine Blutspur an, fällt bei ihrem Tod vom Himmel herab und hüllt sie ein.

Sir Edgardo di Ravenswood dagegen, ihr Geliebter (Dmytro Popov), erscheint im schwarzen Anzug mit weissem Hemd, schwarzem Umhang, schwarzem Reisehut.

Lord Arturo Bucklaw (Joel Prieto), Lucias späterer Bräutigam, tritt ganz in Weiss auf, vom Zylinder bis zu den Schuhen.

Von Silbergrau bis Anthrazit kleiden sich die übrigen Darsteller. Lord Enrico Ashton (Tito You) , Lucias Bruder, rote Haare, ganz in Grau; Alisa, Lucias Vertraute (Pia Liebhäuser), Schwarz bis Dunkelgrau; Raimondo Bidebent, Erzieher und Vertrauter Lucias (Liang Li), weisshaarig im grauen Gewand; Normanno, Hauptmann der Truppen von Ravenswood (Hans Kittelmann), kommt Grau-Schwarz daher – durch seinen scharfe Hut gut von den anderen zu unterscheiden.

Elegante Grautöne betonen die PersönlichkeitEbenfalls von Farbe und Form auf das Wesentliche reduziert Olga Motta die Kostüme des Chors. Die Kostüme der Hochzeitsgäste changieren in allen möglichen Grau-Tönen wie Blaugrau, Violettgrau, Grüngrau. So bildet der Chor keine Masse, sondern eine Ansammlung von Individuen.

Gedeckt sind die Tische der Hochzeitsgesellschaft mit weissen Tüchern. Drum herum falten die Chordamen Servietten, die von Weiss allmählich zu Blutrot übergehen. Auf dieser Tafel, durch diese Tücher, wird Lucia in ihrer Wahnsinnsarie schreiten, ihren Schal-Teppich-Läufer aus blutroter Seide hinter sich herziehend.

Bühnenbild

Wie überdimensionale Triumphbögen erscheinen die Kulissen, oder wie Kulissen in einem Barocktheater (ohne Bäume und Türme), oder wie ausgeschnittene Schuhkartons der Kindertage in Überdimensional, verjüngen sich nach hinten und erzeugen Tiefe und Perspektive. Am Ende dieser Kulissen-Allee leuchtet ein grosser Mond. Er geht auf, wird voller und nimmt wieder ab. Auf- und Abnehmen des Mondes symbolisiert die vergangene Zeit, die die beiden Liebenden gerade besingen. Denken sie an den Abschied, schiebt sich eine immer schwärzer werdende Wolke davor und verdunkelt den Mond.

Übrigens: eine hervorragende Lichtregie von Reinhard Traub, der mit Licht malt wie andere mit dem Pinsel.

Bilder dieser Oper verbinden sich mit der Musik und hallen noch lange nach.

Eine gelungene Aufführung.

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“Lucia di Lammermoor”

Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti

an der Staatsoper Stuttgart

Musikalische Leitung Patrick Fournillier

Regie, Bühne und Kostüme Olga Motta

Licht Reinhard Traub

Chor Michael Alber

Dramaturgie Angela Beuerle

Besetzung

Enrico Tito You

Lucia Ana Durlovski

Edgardo Dmytro Popov

Arturo Joel Prieto

Raimondo Liang Li

Alisa Pia Liebhäuser

Normanno Hans Kittelmann

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“Lucia di Lammermoor“ – in der Stuttgarter Oper

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4 Kommentare auf "Lucia di Lammermoor: Schnörkellose Konzentration auf das Wesentliche"

  1. embryoto sagt:

    Entgegen dem Trend der heutigen Inszenierungen mag ich auch keine Gewalt auf der Bühne. Hier kann jedefrau sehen, daß es auch ohne geht und trotzdem den Nerv trifft.

  2. Roulette sagt:

    Es ist eine typisch weibliche Inszenierung. Hier gibt es keine Brutalität, keine Gewalt. Alles spielt sich in den Köpfen ab. Wer mächte, kann auch nur der Musik folgen, ohne von Bildern gestört zu werden.

  3. [...] zündet ihm Kerzen auf einer Geburtstagstorte an. Nicht nur auf der Bühne wird gespielt. Olga Motta bezieht auch den Zuschauerraum in der grossen Oper mit ein. Die Richter (beeindruckender [...]

  4. [...]während der unerwünschte Bräutigam Arturo (Joel Prieto) ganz in Weiß auftritt. Durch die Farben erleichtert Olga Motta den Zuschauern das Zuordnen der einzelnen Personen. Die Reduzierung von Farbe und Form lenkt auf das Wesentliche… [...]

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