Barbier von Sevilla: Figaro im Kontrabass-Kasten
22. Oktober 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühnenbild und Kostüme, Der Barbier von Sevilla, Inszenierung, Z bis A
Der
Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini,
steht in der Inszenierung von Beat Fäh seit 1993 ununterbrochen auf dem Spielplan der Stuttgarter Oper. Kein Wunder – es sprüht darin nur so von Einfällen.
Die aneinandergereihten kleinen Wachhäuser am Anfang entpuppen sich als Instrumentenkästen für Kontrabässe. Die Männer des Chors, die – zu Graf Almavivas Verstärkung – der schönen Rosina ein Ständchen bringen, streichen jeweils zu zweit mit einem gemeinsamen Bogen einen Kontrabass. Später entlockt dann ein Musikant diesem Instrument Gitarrentöne, und im Liebesduett Graf Almaviva/Rosina hört das Publikum ein ganzes Orchester heraus.
Im Treppengewirr des Bühnenbildes dient ein Kontrabass-Instrumentenkasten als mobiles Zuhause – nobel ausgeschlagen mit farbigem Stoff, einer Eingangstür und Rollen unten drunter. Einer der Sause-Kästen beherbergt abwechselnd sämtliches Bühnenpersonal, das sich irgendwie verstecken muss. Figaro nutzt ihn als Spionagegefährt, verfolgt damit zur Gaudi der Zuschauer Doktor Bartolo, belauscht seine geheimen Absprachen und rollt unerkannt ab.
Das Bühnenbild von Volker Pfüller sollte unbedingt noch erwähnt werden, denn es ist ein ganz besonderes.
Angelehnt an die verschiedenen Perspektiven des Holländers M.C. Escher gehen Treppen an allen Seiten und Wänden hinauf und kommen an der Decke wieder herunter. Die ganze Bühne erscheint in Ziegelrot mit teilweise beigem Muster. An den Seitenwänden Treppenstufen als Kulissen, aus denen die Sänger hervortreten. Überall Treppen, auf denen Rosina auf dem Po herunterrutscht oder hinter denen sie (aus ihrer Kemenate heraus) singt.
Die Kostüme, ebenfalls von Volker Pfüller, decken allerlei Theaterstile ab. Vielleicht trifft „stilisierte historische Kostüme“ am ehesten zu. Sie passen haargenau und sind keiner Mode unterworfen. Hohe zylindrische Kopfbedeckungen des Chores beeindrucken sowohl für die Wachen als auch für die Musikanten. Haushälterin Bertas Chanelkostüm galt schon 1993 als Altedamenkostüm, dass es den jüngeren Opernbesuchern nicht als Stilbruch auffällt. Das gleiche gilt für den weissen Smoking des Basilio.
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Inhalt / Handlung: Der Barbier von Sevilla
Bühnenbild und Kostüme: Figaro im Kontrabass-Kasten
Inszenierung und Sänger: Bogdan Mihai und Mark Munkittrick – das neue Traumpaar der Stuttgarter Oper
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Als Schülerin habe ich die Vorstellung das erste mal gesehen, besser gesagt, vom Musikunterricht aus sehen müssen. Damals haben wir uns alle gewundert, wie modern eine Oper aussehen kann. Heute empfinde ich diese Inszenierung als fast klassisch. Für mich ist sie der Start ins “Erlebnis Oper” gewesen. Hätte ich den derzeitigen Holländer als erstes gesehen, wäre ich wohl nie mehr in die Oper gegangen.
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