Eugen Onegin – Das leben ist wie ein Baum
21. Dezember 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühnenbild und Kostüme, Eugen Onegin, Inszenierung, Z bis AEugen Onegin
„Lyrische Szenen“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Oper zum Träumen
Stimmig und romantisch stellt sich die Onegin Inszenierung von Matthias Kaiser im Stadttheater Ulm dar. Musik und Handlung passen zusammen. Erzählt wird die Geschichte nach dem Versroman von Alexander Puschkin. In Bilder umgesetzt wird genau das, was die Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky vorgibt. Sowohl Bilder als auch Musik wirken lange nach, weil beides sich hervorragend ergänzt.
Baum als Symbol des Lebens
Ein riesiger Apfelbaum mit weit ausladenden Ästen und Zweigen, einem dicken Stamm und grossflächig verzweigten Wurzeln als Symbol des Lebens nimmt fast die ganze Bühne (Detlev Beaujean) ein.
Das Mauerblümchen (Kostüme Angela C. Schuett ) Tatjana (Merav Barnea) schreibt den Brief an Onegin (Tomasz Kaluzny) in ihrem Zimmer. Sie beginnt, wenn der Baum von der orangenen Abendsonne bestrahlt wird und endet, wenn das Morgengrauen dämmert.
Vor diesem grün belaubten Baum trifft sich Tatjana mit Onegin, als er sie hochnäsig in ihre Schranken weist und sie als kleines Mädchen abstempelt.
Unter der herbstlichen Blätterkrone feiern Mutter Larina (Susanne Brattaberg), Olga (Gillian Crichton), Tatjana (Merav Barnea), Filipjewna (Martha Dewal) mit dem Gesinde (sanges- und spielfreudiger Chor) ihr Erntedankfest. Monsieur Triquet (Hans-Günther Dotzauer) singt sein Loblied auf die schöne Tati-janna von einem Gartenstuhl als Podest.
Unwirtlich, als Schneelandschaft mit kahlem Baum, von der Wintersonne beschienen, liegt der frostige Schauplatz in der Duell-Szene. Lenski (Marc Haffner) und Onegin (Tomasz Kaluzny) treffen sich auf einer eisigen Lichtung.
Im Ballsaal des Fürsten Gremin (Rúni Brattaberg) dagegen hängt der Baum voller Lichter – wie ein überdimensionaler Kronleuchter.
Fazit
Zum Anschauen, Anhören, Träumen wärmstens empfohlen.
Eine gelungene Inszenierung – einfach schön.
“einfach” im Sinne von nicht kompliziert; nicht verkünstelt; nichts an den Haaren herbeigezogen.
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Eugen Onegin – „Lyrische Szenen“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski
nach dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin
Musikalische Leitung: Alexander Drčar
Inszenierung: Matthias Kaiser
Bühne: Detlev Beaujean
Kostüme: Angela C. Schuett
Besetzung am 2. April 2008:
Mit Susanne Brattaberg (Madame Larina), Merav Barnea / Hélène Lindqvist (Tatjana), Gillian Crichton (Olga), Martha Dewal (Filipjewna); Tomasz Kaluzny / Kwang-Keun Lee (Eugen Onegin), Marc Haffner (Lenski), Rúni Brattaberg / Kakhaber Tetvadze (Gremin), Michael Burow-Geier (Saretzki/Hauptmann), Hans-Günther Dotzauer / Rochus Bliesener (Monsieur Triquet)
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Hoch lebe die Romantik; sowohl im Leben als auch auf der Bühne.
Man muss ein Zeichen setzen gegen die Gefühlskälte.
Es soll doch tatsächlich Leute geben, die können sich über alles aufregen. Kann man (oder meinetwegen auch frau) nicht einmal eine Vorstellung genießen? Nur genießen?
Ich mag mich da nicht festlegen. Wenn eine aufführung stimmig ist, gefällt sie mir, egal,ob sie romantisch oder sachlich ist. Schlechte Sänger und eine unsauber spielendes orchester reißt kein noch so gutes Bühnenbild heraus …und umgekehrt!
Sebastian
Das muss ich auch sagen! Diese Interpretationen, die irgendwo in der Gosse spielen, gehen mir auch “gehörig auf den Geist”. Ich habe manchmal den eindruck, dass sich die Regisseure einmal kräftig ausleben mächten mit all ihren Minderertigkeitskomplexen.
@ chips
Mir geht diese Modernisierungsmasche fürchterlich auf den Geist. Wenn ich mir Sänger in Straßenkleidung anschauen muss, kann ich auch drausen bleiben. Gerade bei einer romantischen Oper erwarte ich auch ein romantisches Bühnenbild. Genau so war es von Tschaikowski gewollt.
Ich habe zwar die Inszenierung nicht gesehen, und ich gleube auch nicht, dass ich sie mögen würde. Mir geht diese Naturmasche fürchterlich auf den Geist. Alles, was von der Musik ablenkt, könnte weg gelassen werden.
Es ist zwar schon etwas länger her, aber ich habe die Aufführung auch gesehen. Sie hat mir ebenfalls gut gefallen. endlich mal etwas, was sich auch an das Original hält!