Tristan und Isolde: Sänger, Dirigent, Orchester auf höchstem Niveau

5. Mai 2010 | Von Gesine Bodenteich | Kategorie: Bayreuth, Inszenierung, Tristan und Isolde, Z bis A

Bayreuther Festspiele 2009 | Inszenierung für reine „Ohrenmenschen“

Der Lichtdesigner scheint ein Energiesparer zu sein. Die Bühne schummert die meiste Zeit im Neonröhrenlicht vor sich hin. Selten stehen die Sänger in vollem Scheinwerferlicht. Das ist schlecht für die Augen, aber gut für die Umwelt und den Sekundenschlaf. Es macht sich an den plötzlich hochschreckenden Köpfen quer durch die Reihen bemerkbar.
Ohrenmenschen haben es gut. Sie schließen einfach die Augen und müssen nicht auf die ermüdende Inszenierung schauen.

Dafür genießen sie in vollen Zügen den stimmigen Klang des Bayreuther Festspielorchesters unter der Leitung von Peter Schneider, und die wohlklingenden Stimmen von Robert Dean Smith, Robert Holl, Irene Theorin, Jukka Rasilainen, Ralf Lukas, Michelle Breedt (die auch darstellerisches Talent zeigt), Clemens Bieber und Martin Snell.
Sämtliche Sänger  kümmern sich kaum um ihre Mitstreiter auf der Bühne, sondern singen nach vorn, ihren Zuhörern entgegen. Auch König Marke singt seinen Ärger grollend ins Publikum. Robert Holls klangvoller Bass nimmt den ganzen Zuschauerraum ein. Robert Holl singt nicht nur melodiös und wohlklingend, sondern auch gut artikuliert. Seine Worte sind bis in die neunundzwanzigste Reihe zu verstehen.
Eine weitere Ausnahme bildet Michelle Breedt als Brangäne. Als einzige entwickelt sie darstellerische Fähigkeiten. Sie mahnt zum Aufbruch, zieht Isolde (Irene Theorin) die Handschuhe an, indem sie sich mit dem Rücken vor sie stellt, ihre schlaffe Hand von hinten schnappt und den Handschuh aufzieht. Mit ihr zusammen wird Isolde spielfreudiger. Jedoch harmoniert ihr virtuoser Sopran hervorragend mit Tristans (Robert Dean Smith) voluminöser Tenorstimme.
Während der Schlussszene im 2. Akt, in der sich König Marke über Tristans Untreue beklagt, stehen Brangäne, Isolde, Marke, Tristan, Melot im Raum verteilt herum, ohne ersichtlich miteinander zu agieren. Es sieht fast so aus, als hätten sie keine Lust mehr.

Optisch unergiebig, dafür ein musikalischer Glanzpunkt. (Wenn mir jetzt jemand erzählen will, dass das vom Regisseur Christoph Marthaler so gewollt war, dann schrei’ ich!)

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Tristan und Isolde – Bayreuther Festspiele

Musikalische Leitung Peter Schneider
Regie Christoph Marthaler
Szenische Leitung der Wiederaufnahme Anna-Sophie Mahler
Bühnenbild Anna Viebrock
Kostüme Anna Viebrock
Chorleitung Eberhard Friedrich
Dramaturgie Malte Ubenauf

Besetzung 2009
Tristan Robert Dean Smith
Marke Robert Holl
Isolde Irene Theorin
Kurwenal Jukka Rasilainen
Melot Ralf Lukas
Brangäne Michelle Breedt
Junger Seemann Clemens Bieber
Ein Hirt Arnold Bezuyen
Ein Steuermann Martin Snell

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Thema “Oper”

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2 Kommentare auf "Tristan und Isolde: Sänger, Dirigent, Orchester auf höchstem Niveau"

  1. grrr sagt:

    Was heißt da NUR?

  2. kuckuck sagt:

    Die Musik ist ja wohl auch die Hauptsache in einer Oper. Alles andere ist nur fürs Auge.

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