Regie: Christian Weise Bühne und Kostüme: Ulrike Gutbrod Musik: Jens Dohle Dramaturgie: Kekke Schmidt Schauspielhaus Stuttgart
Wenn Götter die Sau rauslassen
Eos (Ursina Lardi) oder Aphrodite, die Göttin der Morgenröte, hat die ewigen Kriege satt. Sehnsüchtig beneidet sie im langen Eingangsmonolog die Menschen und beschliesst, eine von ihnen zu sein. Menschen scheinen alles zu haben, was sie vermisst. Eine andere Ausdrucksweise wird es wohl nicht gewesen sein, denn auch auf Erden geht es munter weiter mit "saufen", "ficken", "zum Kotzen", "Scheisse"...
Göttliche Geschwisterliebe
Begleitet, beziehungsweise heimgesucht, wird Eos immer wieder von ihrer Schwester Meme und ihrem Bruder Hermes, dem Götterboten. Beide möchten sie mit unterschiedlichen Mitteln zurück ins Götterreich abschleppen. Hermes (Catherine Stoyan) zeigt sich als cholerisches Rumpelstielzchen. Den Wortlaut seiner kreischenden Wutausbrüche verstehe ich in der sechsten Reihe nicht mehr. Ob ich dabei wohl etwas versäumt habe? Meme (Lisa Wildmann) erscheint als kreiselförmige, aufgeblasene Gummipuppe mit blonder Vamp-Perücke und zierlichen Pumps. Sanft redet sie auf Eos ein: „Ich sah dich schon – vor lauter Leichtigkeit – ganz böse in der Scheisse landen.“ Meme spielt Posaune und verstärkt manchmal das Drei-Mann-Orchester (Jens Dohle, Jun-Lian Lin, Hans-Peter Ockert).
Kriegsgott -
Göttin im Unglück
Eos verliebt sich in einen jungen Fotografen (Florian von Manteuffel), der zusammen mit einem Paar (Marietta Meguid, Michael Stiller) in einer Porno-WG lebt. Mit den Fotos unter dem Markenzeichen „www.studentenfick.de“ finanzieren sie ihr Studium. Als sie ein Kind von ihm erwartet, rastet er aus, rennt auf die Strasse und wird überfahren. Es ist wohl nur ihrem Zustand zuzuschreiben, dass sie ihre Göttlichkeit hergibt im Austausch für das Leben dieses Mannes. Leider kann oder will Hermes ihn nicht wieder so herstellen wie im Original. Heraus kommt ein körperbehinderter Alkoholiker, der sich jeden Tag 1x selbst fotografiert. Diesen eigenen menschlichen Verfall gestaltet er zu seinem grossen künstlerischen Lebens-Thema (mangels anderer Themen). Da Eos kein Auskommen mehr als Göttin findet, muss sie sich für den Familienunterhalt als Einkäuferin eines grossen schwedischen Möbelhauses abrackern. Den Vertretern der Schwellenländer diktiert sie ihre Bedingungen, begleitet von Wutausbrüchen. Hier kommt immer wieder ihre göttliche Sprache (siehe oben) durch...
Göttlicher Fingerzeig:
Dieses Stück empfehle ich allen Liebhaberinnen des Ordinären. Alle, die sich gern in der Fäkalsprache suhlen, kommen voll auf ihre Kosten. Allerdings kann ich nur für den ersten Teil diesen Tipp abgeben. Ob sich der Stil nach der Pause ändert, entzieht sich meiner Kenntnis.